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Die Traurigen Orangen
Ein Buch über Palestine, längst bevor 2023 Konflikten 

Ich versuche als Iranerin, die in Deutschland lebt, meistens, mich nicht öffentlich zum Nahostkonflikt zu äußern.

  • Erstens, weil ich 33 Jahre meines Lebens in einem Land verbracht habe, in dem in allen Medien Palästina als vollkommen weiß und Israel als absolut schwarz dargestellt wurde – wo der Schulunterricht ausschließlich eine einseitige Erzählung vermittelt, sodass viele Menschen nie etwas von der Shoah oder der jüdischen Geschichte gehört haben.
  • Zweitens, weil ich heute in einem Land lebe, das aufgrund seiner historischen Verantwortung die bedingungslose Unterstützung Israels zur Staatsräson erklärt hat.
  • Drittens, weil ich zutiefst überzeugt bin, dass die Realität – entgegen dem, was man in sämtlichen Medien überall auf der Welt sieht – grau ist.

Das Buch, das ich heute vorstelle, handelt dennoch genau von diesem Thema. Bevor ich also vorschnell beurteilt werde, möchte ich klarstellen:
Das Land der traurigen Orangen wurde 1960 veröffentlicht – in einer Zeit, in der es weder Hamas noch andere organisierte Widerstandsbewegungen in Palästina gab. Der Gazastreifen stand damals unter ägyptischer Kontrolle, und der Widerstand bestand vor allem in Erinnerungen in den Flüchtlingslagern der Nakba. Diese Geschichten stammen aus einer Zeit, in der die Palästinenser laut Kanafani noch keine Waffen in der Hand hielten – nur Schmerz und Erinnerung in ihren Herzen.

Ich finde: Wenn wir (zurecht) die Geschichten über den Zweiten Weltkrieg und die Shoah lesen, aber gleichzeitig das, was seit 20 Monaten über zwei Millionen Menschen in Gaza geschieht, ignorieren, sollten wir auch palästinensische Stimmen aus der Zeit vor dem bewaffneten Widerstand hören.
Das Buch besteht aus acht Kurzgeschichten, geschrieben in klarer Sprache und reich an Symbolik. Die Figuren sind trotz ideologischer Schwere lebendig und menschlich. Die Texte verweisen auf die Jahre 1948 bis 1960 und eröffnen Raum für eigene Auseinandersetzung mit den Wurzeln des Konflikts – auch wenn Frauenfiguren weitgehend fehlen.

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