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Dschinns:
Anti-Klischees oder dafür?
ch habe „Dschinns” zu meinem Geburtstag bekommen und mit Interesse, aber nicht ohne Vorbehalte gelesen. Der Roman behandelt viele wichtige Themen: Migration, Familie, Gewalt, patriarchale Strukturen, Generationenkonflikte und Queerness. Für meinen Geschmack sind es stellenweise zu viele auf einmal, nicht alles bekommt genug Raum.
Was mich persönlich irritiert hat: Trotz der kritischen Haltung reproduziert der Text teilweise genau jene westlichen Klischees über migrantische Familien, die er eigentlich hinterfragen will. Vieles bleibt vorhersehbar für ein deutsches Mehrheitspublikum, wodurch der Roman an Spannung verliert.

Auch formal konnte mich Dschinns nicht ganz überzeugen. Die Mehrstimmigkeit funktioniert inhaltlich, sprachlich klingen die Perspektiven aber oft sehr ähnlich.
Trotzdem sehe ich das nicht als großen Fehler. Die Form steht klar im Dienst des Inhalts. „Dschinns” will erzählen und sichtbar machen, und das gelingt, auch wenn ich mir literarisch mehr Mut gewünscht hätte.